Dominus Providebit

Samstag, Februar 04, 2006

"Franziskus wies die Welt seines Vaters zurück, der ein Kaufmann war, ein Mann des Marktes. Doch von jenem Tag an wurde die Welt ein Marktplatz. Alles ist eine Komödie geworden, mit einem Preis. In der Zeit des Franziskus und des Dominikus dachte niemand daran, dass jemand Land absolut besitzen könnte. Einer mag dessen Gebrauch besitzen, doch das Land gehört Gott. Dem Aquinaten zufolge war jeder Privatbesitz durch das Gemeinwohl der Menschheit begrenzt. Doch schrittweise ist alles zum Verkauf freigegeben worden auf dem Marktplatz der modernen Welt: Land und Wasser, und vor allem Menschen. Nun wetteifern vier oder fünf bedeutende internationale Konzerne um die Eigentumsrechte an allen Samen und so an der Fruchtbarkeit des Landes. Einige wünschen sich sogar, die DNA-Karte der Menschheit zu besitzen und damit von unserer ureigenen Natur Besitz zu ergreifen.
Wir leben in einer Gesellschaft, die weitgehend ihre Träume von der Zukunft verloren hat. Ich bin in einer Kultur aufgewachsen, die immer noch daran glaubte, dass die Menschheit irgendwohin unterwegs ist. Für einige war dies ein kapitalistisches Paradies und für andere ein sozialistisches Paradies. Doch es gab einen gemeinsamen Glauben an eine Zukunft, die häufig Fortschritt genannt wurde.Vierzig Jahre später sind diese Träume weitgehend zerplatzt. Die Berliner Mauer ist gefallen, der Kalte Krieg ist vorbei, doch wie Fukuyama schrieb, ist die Geschichte zu Ende. Wir leben in der Jetzt-Generation (Now Generation), die sich davor fürchtet, an morgen zu denken. Es gibt nur wenig gemeinsamen Sinn für eine Menschheit, die auf dem Weg ist zu einem gemeinsamen Geschick, zu einem Triumph über Armut und Ungerechtigkeit.
Die Gewalt dieser Welt ist zunehmend mit der Religion verbunden. Es sind oft die Weltreligionen, die all diesem Leid, dieser Armut und dem Sinn für Ungerechtigkeit, den die Armen verspüren, eine Stimme verleihen. Es ist die die Religion – und besonders der Islam –, die einen Protest gegen die so genannte „westliche „Kultur" formuliert, die die Welt verschlingt und lokale Kulturen zerstört. "
Thimothy Radcliffe (http://www.dominikaner.de/spiritualitaet/radcliffe%20frieden%20und%20freude.htm)

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